MAKE UP YOUR LIFE UND PSHOP DICH SCHÖN – EINE GESICHTSMANIPULATION

Dieser Blogbeitrag startete eigentlich als ein Selbstexperiment. Für meine Fashionshootings mit meinen Freunden in diesem Jahr wollte ich lernen, auch als Make-up Artist zu einem gelungenen Gesamtbild beizutragen. Ein Gesicht ist eine Leinwand und ich kann mit Farbe und Pinsel Gesichtszüge hervorheben, betonen, kaschieren. Nach zahlreichen Youtube-Videos also der erste Selbstversuch, um bestimmte Techniken teils wieder neu zu erlernen.

Make-up spielt bis auf Shootings, bei dem der Einsatz von Schminke mehr dem Einsatz von Bodypainting gleich kommt, in meinem Leben eigentlich keine Rolle mehr. Ich erinnere noch an erste, ungeschickte Versuche zu Schulzeiten, als Schminken (zumindest für mich) ein sozialer Druck war. Irgendwo auf dem Weg von Pubertät ins Erwachsenenalter wurde es auf einmal furchtbar wichtig, wie Andere dich selbst wahrnehmen. Aber anstatt mein ungeschminktes, aknegezeichnetes Gesicht selbstbewusst nach außen zu tragen, versteckte ich mich lieber hinter Abdeckcreme und Mascara. Jugendliches Selbstbewusstsein ist sehr fragil, gerade wenn man einen Pickel hat und jeder vermeindliche Blick oder Kommentar quasi zu psychischer Folter wird. Ob es damals tatsächlich so gewesen ist, kann ich aus heutiger Sicht nicht mehr beurteilen; für mich fühlte es sich damals so an, als ob jeder mir mit seinem Verhalten zu verstehen geben: „Warum belästigst du mich mit deiner Hässlichkeit? Zieh dir doch Modeklamotten an, stopf deinen BH aus, entferne jedes überflüssige Haar, färbe jedes restliche Haar, mein Gott – benutz doch mal Make-up!“

Sozialer Trend erkannt, sozialem Trend gefolgt. Ich habe erst als ich auf die Universität kam festgestellt, dass dieser gefühlte Zwang kompletter Irrsinn ist. Ich habe wertvolle Freundschaften schließen können mit Menschen, die mich als den Menschen akzeptieren, der ich bin, ohne  Oberflächlichkeiten. Seit dem trage ich Make-up nur noch, weil ich Spaß daran habe, mein Gesicht zu verändern, nicht weil ich meine eigenen Unzulänglichkeiten verstecken muss. Spätestens seit ich meinen Freund kennengelernt habe, bin ich selbstbewusster und wer mich heute kennen lernt, lernt Maria Deinert kennen, ungeschminkt. (In der Uni ist mir das meist auch entschieden zu viel Aufwand)

Mein soziales ICH

Mit all diesen Gedanken im Hinterkopf sitze ich also vor dem Spiegel und probiere eine neue Farbpalette aus. Ich weiß, dass ich nicht die einzige bin mit diesen Erfahrungen. Gerade durch Social Media wie Facebook und Instagram nehmen wir die Ängste, wie wir auf andere wirken müssen, über die Pubertät hinaus auf die soziale Plattform mit. Wir gaukeln uns und anderen ein Bild von uns vor, was so eigentlich nicht der Realität entspricht. Psychologen sprechen mittlerweile vom „Social Self“. Man muss möglichst interessant Leben und auf seinem Profilbild möglichst gut aussehen, ein Standard, dem man irgendwann nicht mehr gerecht werden kann. Als Fotografin bringt mich das natürlich etwas in Bedrängnis, weil ich in der Regel mit meinen Bildern an diesem sozialen Selbst auch mitarbeite, viele Bilder von Shootings werden neue Profilbilder. Und ich glaube, hier muss man etwas genauer hinsehen, daher auch dieser Blogpost:

Als Fotografin ist es meine Aufgabe, die Schönheit eines Menschen einzufangen, sein Ich zu betonen oder neue Seiten seines Ichs aufzuzeigen. Ja, dazu gehört auch das Benutzen von Make-up und Photoshop. Ein Bild wird bearbeitet bis es stimmig ist und gibt demjenigen, den es darstellt, einen Schub Selbstbewusstsein, weil er sich darauf in seiner besten Gestalt sieht. Das Bild landet auf Facebook und oder Instagram, das Belohnungszentrum von Model (und Fotograf!) wird durch die Anzahl von Likes stimuliert. Das ist meiner Meinung nach auch völlig okay, solange es nicht zu der Sucht wird, seinem sozialen Ich in jeglicher Art und Weise hinterhereifern zu wollen. Wie bei jeder Sucht kann die eigene Erwartungshaltung irgendwann nicht mehr erfüllt werden. Ratsam ist also ein selbst reflektierter Abstand zu unserem “Second Life on Social Media”. Wir sind nicht immer perfekt, nicht immer interessant. Wir haben Macken und das ist gut so.

Meine Gesichtsmanipulation

An dieser Stelle wollte ich eigentlich zeigen, welche Arbeit hinter einem Bild steckt. Im Endergebnis landet auf meinem Facebook ein Bild von mir, auf dem ich mich hübsch finde (ihr vielleicht auch?) aber das ist nicht mein Alltagsgesicht mit allen seinen Macken. Dieses hier schon:

Gerade frisch geduscht, ein paar rote Stellen im Gesicht, aufgebissene Lippen weil ich nervös war, Augenringe und ein geschwollenes Rechtes Auge wegen einer Hornhautentzündung. Und ja, Akne kann einen auch nach der Pubertät noch heimsuchen…

In diesem Bild habe ich Make-up aufgetragen: Foundation, Eye-Shadowbase, Concealer und etwas Bronzepuder. Hätte ich Mascara und Eyeliner aufgetragen, wäre das der typische Everyday Nude Look, bzw. der Versuch, geschminkt ungeschminkt Aussehen zu wollen.

In diesem Bild habe ich jetzt voll aufgedreht. Das entzündete Auge fällt nicht mehr ganz so stark auf durch die Schminke, ich trage Schmuck und meine Augenbrauen sind nachgezeichnet.

Diese Bild wäre das fertige Ergebnis. Hier spielen alle Faktoren zusammen: Make-up, Fotografie, Photoshop. Das Make-up betont meine Augen und kaschiert Hautunebenheiten. Dieses Bild wurde von meinem Freund mit einer Vollformatkamera und einem Portraitobjektiv aufgenommen, bei möglichst offener Blende um diesen weichen und doch natürlichen Stil zu erzeugen. Später bin ich in Photoshop noch mit einer Reihe von Filtern und Retuschewerkzeugen über störende Stellen gegangen. Ihr seht wie stark sich das Bild von dem zuvor unterscheidet, obwohl das Gesicht dasselbe ist.

Ein weiteres Beispiel hier: Lichtsetzung allein kann ein Bild schon völlig verändern. Hier wurde mit einem Blitzlicht gearbeitet – Tschüss Augenringe! In der Postproduktion kommt noch hinzu:

  • Frequenztrennung um das Hautbild zu verfeinern
  • Dodge and Burn: Contouring gibt es auch digital
  • Color Grading für die Atmosphäre
  • Standardanpassungen für Schärfe, Sättigung, Kontrast und und und.

Fazit

Make-up ist bzw. sollte ein Mittel sein, um Gesichter zu betonen und Stimmungen auszudrücken. Photoshop bleibt für mich ein Mittel zur Qualitätsverbesserung. Die Nutzung von beidem soll Spaß machen und nicht dazu benutzt werden, sich zu verstecken oder zu überperfektionieren. Wir sind alle nicht perfekt und sollten uns davor hüten, andere als perfekt anzunehmen oder selbst einer Scheinperfektion nachzueifern. Bilder, die auf sozialen Plattformen landen sind meistens dafür gemacht perfekt zu sein, aber dahinter steckt erstens Arbeit und zweitens ein Mensch: genauso schön wie unperfekt bis ins kleinste Detail.

 

Seid stolz auf was ihr seid und bis zum nächsten Mal!

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Dieser Blog wurde ursprünglich veröffentlicht am 8. März 2015.  Umsetzung unterstützt durch Brian Barnhart | in-focus.net.